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Aus der ARD - Reihe "Erlebnis Erde"
Regie: Heiko de Groot

Die meisten Menschen bekommen sie nie zu Gesicht, dennoch leben derzeit eine halbe Million Waschbären in Deutschland. Ihren Namen verdanken sie der Angewohnheit, an Gewässerufern tastend und fühlend nach Nahrung zu suchen, ein Verhalten das vielfach als Waschen fehlinterpretiert wird. Ursprünglich stammen die possierlichen Tiere aus den USA, erst als die Pelzmode in den 20iger Jahren des letzten Jahrhunderts einen ersten Höhepunkt erreichte, gelangten die Tiere nach Europa. Die Urväter der deutschen Population entwischten wohl Käfigen, später -in den 30er Jahren- wurden sie zu Bereicherung der heimischen Fauna sogar gezielt ausgewildert.

Seit dem ist ihr Siegeszug kaum noch aufzuhalten. Die vorwiegend nachtaktiven Tiere sind sehr anpassungsfähig und kommen mit verschiedensten Lebensumständen zurecht. Das Nahrungsspektrum ist breit und reicht von Eicheln und Feldfrüchten, über Insekten und Vogeleier bis zu Zivilisationsmüll. Inzwischen haben die Tiere nicht nur Wälder und Felder besiedelt, sondern dringen auch in dicht besiedelte Städte vor. Manchmal werden die nachtaktiven Tiere zur regelrechten Plage und rufen professionelle Waschbärjäger auf den Plan. Außerorts werden sie ohnehin als jagdbares Wild verfolgt.

Dabei ist der schlechte Ruf der sehr sozial lebenden Tiere nicht unbedingt gerechtfertigt. Oft durchstreifen Waschbären die Landschaft in Familiengruppen, bestehend aus Weibchen und deren Jungen. Selbst die Rüden rotten sich gelegentlich zu Paaren zusammen. Auch wenn sie das ein oder andere Gelege ausräumen, führen hohe Waschbärenbestände keineswegs zu Bedrohung bodenbrütender Vögel, wie oft behauptet wird. Studien der technischen Uni Dresden und der Uni Hamburg im Müritz Nationalpark bringen immer mehr interessante Fakten zu Tage. Die Besenderung der Kleinbären gibt Einblicke in den Tagesablauf, DNA Proben entschlüsseln die Familiengeschichte. Und langsam fügt sich das Bild eines liebenswerten Zeitgenossen, eines Einwanderers der sich längst problemlos in die heimische Tierwelt integriert hat.